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Schulkonzept

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Unser Schulkonzept wird aktuell überarbeitet. Die Grundlagen bleiben, einige Details müssen nach fast 3 Jahren Schulbetrieb überdacht werden.

AHFSchulverein e.V.

August-Hermann-Francke-Schule in Leipzig

Bildungs- und Erziehungskonzept      (Stand: 30.01.2008) 

Inhalt: 

1.       Vorwort 

2.       Geistliche Grundlagen der Pädagogik

2.1.       Erziehungsauftrag der Bibel

2.2.       Das biblische Menschenbild  

2.3.       Biblische Erziehungsgrundlagen

2.4.       Geschichtliche Wurzeln der

            August-Hermann-Francke-Schule in Leipzig

3.       Erziehungsziele der AHFSchule

3.1.     Biblische Erziehungsziele

3.2.     Integration von Glauben und Lernen

4.          Umsetzung in die Praxis

            Pädagogische Konzeption der AHFGrundschule

5.     Wesentliche Merkmale der AHFGrundschule

5.1.     Hort - Offenes Ganztagsangebot

5.2.    Einbeziehung der Eltern

5.3.     Lehrer

5.4.     Die  unabhängige Position der AHFSchule

5.5.     Schulorganisatorische Rahmenbedingungen

Vorwort 

Im Prozess der Erneuerung des deutschen Schulwesens nehmen private Ersatzschulen einen immer größeren Platz ein. Insbesondere der starke Werteverlust in unserer Gesellschaft trägt dazu bei, dass sich mehr und mehr Eltern ernsthaft Gedanken um die Entwicklung und Prägung ihrer Kinder machen. Gerade christliche Eltern möchten ihren Auftrag und ihre Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder bewußt wahrnehmen.

Die Mitglieder des AHFSchulvereins e. V. beabsichtigen die Förderung von christlicher Erziehung und Bildung, indem sie in ihrer Stadt Leipzig die August-Hermann-Francke Schule (AHFSchule) gründen.

Das Gesamtprojekt beginnt mit der AHFGrundschule zum Schuljahr 2008/2009.

Freie christliche Bekenntnisschulen wie die AHFSchule in Leipzig werden von christlichen Eltern getragen, geprägt und verantwortet. Es sind Schulen evangelischen Bekenntnisses im Sinne des Grundgesetzes Artikel 7, Absatz 5.

Die AHFSchule in Leipzig stützt sich auf die Grundlage der Bibel im Sinne des gemeinsamen Glaubensbekenntnisses der Deutschen Evangelischen Allianz. Hierbei ist es der ausdrückliche Wunsch der AHFSchule, keine einseitige Anbindung an eine bestimmte kirchliche Gemeinde oder Gruppierung zu haben. Vielmehr kommen die meisten Eltern und Kinder aus einem sehr breit gefächerten christlichen Hintergrund.

Alle Lehrer sowie weitere Mitarbeiter der AHFSchule gehören verbindlich einer christlichen Gemeinde an, haben eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und teilen das Bekenntnis der Evangelischen Allianz.

Die AHFSchule steht allen Eltern und Kindern offen, unabhängig von ihrer Nationalität und Weltanschauung, die ihr Einverständnis mit dem Inhalt dieses Bildungs- und Erziehungskonzeptes erklären und es mittragen.

2.     Geistliche Grundlagen der Pädagogik

2.1.            Erziehungsauftrag der Bibel

Der Erziehungsauftrag der Bibel besagt, dass Kinder in allen Bereichen des Lebens gemäß der biblischen Wahrheit und Weisung erzogen und gebildet werden sollen[1]. Der Bibel zufolge ist der Erziehungsauftrag in erster Linie an Eltern gerichtet[2]. Sie sollen die Erziehung und Bildung ihrer Kinder in der Verantwortung vor Gott wahrnehmen, denn Kinder sind Gottes Eigentum.

Die Schule in einem christlichen Erziehungs- und Bildungswesen erzieht somit in erster Linie im Auftrag der Eltern. Die Schulaufsicht lag bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts bei der Kirche. In der heutigen pluralistischen Gesellschaft soll die staatliche Schule allen Religionen und Weltanschauungen gerecht werden, sie orientiert sich folglich an den Zeitströmungen. Biblische Normen und Werte sind mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt worden.

Damit Eltern heute einen Schule finden, die ihnen helfen kann, ihrer Erziehungsverantwortung vor Gott gerecht zu werden, wollen sie selbst, im Rahmen der gesetzlichen und finanziellen Möglichkeiten, geeignete Schulen gründen und betreiben.

2.2.              Das biblische Menschenbild

Gott hat die Menschen nach seinem eigenen Bilde zur Gemeinschaft mit sich selbst geschaffen; in einer Einheit aus Geist, Seele und Leib, als Mann und Frau. Dies beinhaltet auch die dem Menschen eigene Kreativität, die Fähigkeit zu denken, die Sprache, das Gewissen, den Sinn für Schönheit, die Emotionen, und die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen; einfach alles, was die Menschen befähigt in Gemeinschaft mit Gott und anderen zu treten. Auch wenn alle Menschen die gleichen Eigenschaften besitzen, sind sie doch ganz individuell geschaffen. Mit unterschiedlichen Begabungen und Berufungen können sie sich gegenseitig ergänzen und helfen.

Am Anfang war der Mensch gut und lebte im Einklang mit Gott, doch durch Ungehorsam entschied er sich gegen ihn. Seitdem ist kein Mensch mehr gut und frei, sondern in seiner sündigen Natur getrennt von Gott.

Da diese Verdorbenheit aber nicht auf rein äußerliche Gründe zurückzuführen ist, wie z.B. auf eine noch nicht abgeschlossene Entwicklung, auf gesellschaftliche Bedingungen, auf Mangel an Zuwendung, Information oder pädagogischem Geschick, kann sie auch nicht durch rein äußerliche Veränderungen wieder verbessert werden. Nicht Menschen oder Schulen können diese böse Anlage letztlich verändern, sondern nur das Eingreifen Gottes allein kann dem Menschen helfen.

Und diese Hilfe hat Gott dem Menschen bereitgestellt, indem er seinen Sohn, Jesus Christus gesandt hat, durch dessen Tod die Schuld der Menschen vergeben werden kann. Nur wer dieses Angebot der Versöhnung annimmt, erlebt wirkliche innere Heilung und wird wieder fähig zur Gemeinschaft mit Gott.         

Doch auch der durch Jesus Christus erlöste Mensch sündigt noch und macht Fehler. Die Veränderung zum Guten hin ist ein Prozess. Dabei hilft Gott dem Menschen direkt, durch sein Wort und den Heiligen Geist; und auch durch andere Menschen, die Gottes Wort lehren, die ermahnen und die Liebe und Vergebung vorleben. Wer sich so verändern lässt, kann ein gottgefälliges und erfülltes Leben führen.

2.3.     Biblische Erziehungsgrundlagen

Kinder lernen von Vorbildern. Deshalb tragen Lehrer, die einen lebendigen Glauben vorleben, entscheidend zum Gelingen von christlicher Schule bei. Durch das authentische Vorbild des christlichen Lehrers wachsen Kinder in einer Atmosphäre des Vertrauens auf, einer Grundlage für erfolgreiches Lernen.

Lernen ist auf die Erwartung einer sinnvollen Zukunft gerichtet, da biblischer Glaube davon ausgeht, dass Gott für jeden Menschen einen Plan hat. Christliche Lehrer helfen Kindern diesen Plan zu entdecken und fördern ihre speziellen Begabungen. Aber sie unterstützen sie auch in Fächern, die ihnen nicht so leicht fallen, ihr bestes zu geben. Sie vermitteln Kindern Hoffnung für eine gute Zukunft in dieser Welt und darüber hinaus.

Ein Lehrer, der die Liebe Gottes persönlich erfahren hat, kann diese in echter Fürsorge an Kinder weitergeben. Dadurch ist er fähig, auch schwierige Kinder anzunehmen.

Zu einer biblischen Erziehung gehört natürlich auch die Lehre des biblischen Glaubens. Dies geschieht im verbindlichen Religions- und Bibelunterricht, in Andachten und Schulgottesdiensten, und indem alle Unterrichtsfächer vom Weltbild der Bibel her gelehrt werden. Auch wenn die Teilname am Religionsunterricht, den Andachten etc. Pflicht ist, so bleibt den Kindern die freiwillige Entscheidung, ob sie den Glauben für sich persönlich annehmen wollen.

2.4.    Geschichtliche Wurzeln der August-Hermann-Francke-Schule in Leipzig

http://www.ahfgrundschule.de/?id=Die geschichtlichen Wurzeln der heutigen christlichen Schulen liegen in der Zeit der Reformation. Martin Luther unterstellte zwar dem Staat das Schulsystem, erkannte gleichzeitig aber auch, dass die Eltern die Verantwortung für eine christliche Schulbildung tragen. So warnte er davor, Kinder in eine Schule zu schicken, wo die Bibel nicht gelehrt wird. Luthers schulischer Schwerpunkt lag darin, den Kindern das Evangelium vom Verstand her zu vermitteln.
August Hermann Francke, beeinflusst von der Pädagogik J. A. Comenius, war es jedoch bewusst, dass christliche Bildung ganzheitlich sein sollte. In seinen Schulen lernten Kinder nicht nur Kopfwissen über die Bibel, sondern erhielten eine Bildung, die sie aufs ganze Leben vorbereitete. Sein Motto war: ,,Alles zur Ehre Gottes und zum Wohle des Menschen''.

[zur Pädagogik A-H- Francke's: siehe Anhang Ι,  1]

3.    Erziehungsziele der AHFSchule                         
       
(Silke Edelmann, Dr. Educ., Regent-University, USA; federführend)

3.1.   Biblische Erziehungsziele

Da der Mensch eine Einheit von Leib, Seele, und Geist ist, muss eine christlichen Schule eine ganzheitliche Bildung anstreben.

Die biblischen Erziehungsziele umfassen drei Dimensionen, die Beziehung des Menschen zu Gott, die Beziehung zu anderen sowie zu sich selbst und die Beziehung zur Schöpfung.

Die Schüler sollen zu gesunden Persönlichkeiten mit einem ausgezeichneten Charakter heranwachsen, indem sie:

-    Liebe, Annahme und Wertschätzung erfahren und lernen, dies auch an andere weiterzugeben

-    Vertrauen entwickeln; zu Gott, zu anderen und zu sich selbst

-    gesundes Selbstbewußtsein entwickeln; ihre Begabungen kennen und sich darüber freuen können, aber auch ihre Schwächen annehmen und Fehler eingestehen können

-    grundlegende Werte vermittelt bekommen, nach denen sie ihr Leben ausrichten können; wie z.B. die Bereitschaft zur Versöhnung

-    Tugenden wie Ehrlichkeit, Fleiß, Respekt etc. erlernen; und Regeln lernen, in deren Rahmen sie sich sicher bewegen können

-    einen gesunden Lebensstil entwickeln; dies beinhaltet Ernährung, gesunde Bewegung, Ausgleich von Aktivität und Ruhe, richtiger Umgang mit Emotionen, etc.

-    ihre geschlechtliche Identität wahrnehmen lernen und so auf ein Leben als Mann oder Frau vorbereitet werden

-    eine Vision für ihr Leben entwickeln

Die Schüler sollen Kompetenzen für ihr späteres Wirken in Beruf und Gesellschaft entwickeln, indem sie:

-    eine zukunftsorientierte Bildung erhalten, die sich an dauerhaft guten Ergebnissen messen lässt

-    ihre persönlichen Fähigkeiten und Begabungen entwickeln können

-    einen festen Standpunkt entwickeln, von dem aus sie die verschiedenen geistlichen Strömungen der heutigen Zeit bewerten können

-    lernen mit den modernen Medien verantwortungsvoll umzugehen

-    einen verantwortungsvollen Umgang mit Finanzen vermittelt bekommen

-    lernen die Schöpfung zu achten, zu pflegen und sie zum Wohle anderer zu nutzen und zu bewahren

Die Schüler sollen die Grundlagen des christlichen Glaubens vermittelt bekommen, indem sie:

-    mit den Inhalten der Bibel vertraut werden

-    eine biblische Weltanschauung vermittelt bekommen

-    christliche Ausdrucksformen wie Beten, Andacht und Singen christlicher Lieder kennen lernen

-    Feste des Kirchenjahres feiern und mitgestalten

3.2.      Integration von Glauben und Lernen

Die Vermittlung dieser Glaubensgrundlagen erfolgt natürlich durch eine christliche Pädagogik, verbunden mit dem persönlichen Vorbild des Lehrers. Doch wie gebrauchen wir ganz konkret im Schulalltag die Bibel?
Hierfür unterscheiden wir drei Kategorien: den Gebrauch der Bibel zur Andacht, Erbauung und Hinwendung; den grundlegenden Gebrauch der Bibel; sowie den perspektivischen oder durchdringenden Gebrauch der Bibel[3].

a)    Gebrauch der Bibel zur Andacht, Erbauung und Hinwendung

Dies geschieht in erster Linie beim täglichen Morgenkreis. Er dient der Ausrichtung, der Erbauung und der Hingabe des Tages an Gott. Indem wir ihm einen Teil der Unterrichtszeit geben, drücken wir aus, wie wichtig uns Gott ist. Zu dieser Andacht gehört das Singen christlicher Lieder, Gebet und Fürbitte, und das Lesen eines kurzen biblischen Textes. Dabei können die Kinder Glauben praktisch erfahren.

In bestimmten Abständen und zu besonderen Anlässen werden Gottesdienste gemeinsam mit der ganzen Schule gestaltet. Der Schwerpunkt liegt darin, Gott gemeinsam zu ehren und spezielle kirchliche Feste zu feiern.

b)   Gebrauch der Bibel als Weltanschauungs- Grundlage

Weil sich der christliche Glaube auf dem Fundament von Gottes Wort gründet, ist es nur richtig, wenn für das Studium der Bibel Unterrichtszeit zur Verfügung steht.

Zunächst einmal müssen die Schüler direkt aus der Bibel wissen, was diese über unsere Welt aussagt[4]. Dies geschieht im Rahmen des Religionsunterrichtes, der ab der zweiten Klasse auf zwei Wochenstunden erweitert werden soll.       

Der Bibelunterricht wird systematisch und mit der gleichen Ernsthaftigkeit durchgeführt wie der Mathematik- oder Deutschunterricht. Konzepte und Themen wie Schöpfung, Wesen Gottes, Dreieinigkeit, Sünde und Vergebung, die Heilsgeschichte etc. werden hier gelehrt.

Mit induktiver und deduktiver Methode sowie in der Durchführung von Charakter- und Wortstudien werden die Kinder ihrem Alter entsprechend angeleitet, die Bibel selber zu lesen. 

c)   Gebrauch der Bibel als Perspektive in allen Fächern

Natürlich darf nicht der Eindruck entstehen, die Bibel gehöre nur in den religiösen Bereich und habe nichts zu tun mit den alltäglichen Dingen des Lebens. Daher können wir sie auch aus den akademischen Fächern nicht einfach fernhalten. Allerdings geht es nicht darum, in jeder Unterrichtsstunde einen Bibelvers zu lehren oder Moral zu predigen. Da jedoch der Glaube alle Bereiche unseres Lebens berührt, darf die christliche Sichtweise auch alle Unterrichtsfächer durchdringen.

Zum Beispiel beruhen Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer auf bestimmten Vorstellungen. Entweder kann dadurch ein Absolutheitsanspruch der Wissenschaft vermittelt werden oder der Glaube an Gott, der die Realitäten einer wissenschaftlich erforschbaren Welt geschaffen hat (siehe Knight, 1989). Naturwissenschaftliche Studien sind möglich, weil Gott bestimmte Naturgesetze gegeben hat. Die Ergebnisse sollen dem Menschen dienen, den Schöpfungsauftrag zu erfüllen, nicht dem Selbstzweck. Umweltschutz ist nötig, nicht weil "Mutter Erde" unsere Hoffnung ist, sondern weil die Schöpfung ein Geschenk Gottes ist.

Im Deutschunterricht bedeutet Sprache eine Idee Gottes, Ausdruck davon, dass wir nach seinem Ebenbild geschaffen sind. Bei der Auswahl des Materials für den Sprachunterricht achten wir zum Beispiel darauf, dass keine Hexengeschichten nur so als Leseübung verwendet werden, oder Geschichten, die einen ungöttlichen Lebensstil als normal darstellen. 

Im Geschichtsunterricht bedeutet dies, Geschichte ist nicht einem sich immer wiederholenden Zyklus unterworfen, sondern hat einen Anfang und geht auf ein bestimmtes Ziel zu. Es soll den Kindern bewusst werden, welche Bedeutung es hat, ob Menschen im Gehorsam zu Gott leben oder nicht.  Hier kann jedem Einzelnen sein Potential aufgezeigt werden, Geschichte mitzugestalten.

Allerdings bedeutet all dies nicht, dass die Schüler von allen nicht-christlichen Inhalten ferngehalten werden. Ganz im Gegenteil, sie sollen erfahren, was Menschen mit anderer Weltanschauung denken und glauben; vorausgesetzt, sie haben eine Grundlage, von der aus sie selbst Dinge beurteilen können. Dies ist wichtig, damit sie mündig werden, um sich einmal selbst für eine bestimmte Lebenseinstellung entscheiden zu können. 

4.    Umsetzung in die Praxis
Pädagogische Konzeption der AHF-Grundschule – 02.11.07

(Dr. paed. habil. Ralf Hickethier; federführend)

Der Schwerpunkt der Pädagogischen Konzeption liegt auf der erzieherischen Seite. Diese ist tragend für ihre didaktische, unterrichtsbezogene Seite.

Bitte denken Sie alle diese Punkte nebeneinander, denn sie bedingen sich gegenseitig. Aufschreiben können wir sie allerdings nur nacheinander.

4.1.    Unsere Welt heute ist in Unordnung geraten

4.1.1.   Gottes Ordnung als Maß für unsere Schule

Gott steht für Ordnung, denn die Liebe braucht die Ordnung. Sie kann nur wirksam werden, wenn Menschen auf eine vertrauensvolle, zuverlässige und verbindliche Weise zueinander in Beziehung treten.

Das Männliche und Weibliche, das Kindliche und Erwachsene zeichnen sich durch ganz unterschiedliche Stärken und Schwächen aus. Jedes braucht seinen ganz besonderen Platz im menschlichen Miteinander und in der Beziehung zu Gott.

Gottes Ordnung ist nicht einfach da um ihrer selbst Willen, sondern zum Besten des Menschen. Zum Beispiel die Ordnung im Gottesdienst sollte allen beim Lernen helfen. Deshalb schrieb Paulus, dass Gott nicht ein Gott der Unordnung sei, sondern des Friedens[5]. Wo Unordnung ist, entsteht Unfrieden; gutes Lernen und Miteinander können nicht stattfinden.

Zur Ordnung gehört die Hierarchie

Auch wenn wir vor Gott alle gleich sind hinsichtlich seiner Liebe zu uns und unserem Bedürfnis nach Erlösung, so bleibt doch Hierarchie ein wichtiger Bestandteil des biblischen Weltbildes. An erster Stelle in dieser Hierarchie steht natürlich Gott, so wie es uns das Erste Gebot lehrt [6]. Dann gibt es Hierarchien in der Familie[7] und in der Gesellschaft.

Immer wieder berichtet die Bibel davon, wie Gott Leiter über sein Volk Israel und später über die Gemeinden einsetzt[8]. Ein Leiter in Gottes Verständnis ist nicht derjenige, der über andere eigenwillig bestimmen will. Vielmehr leitet er die anderen an und hilft ihnen, wenn nötig auch unter Gebrauch von Disziplin, den richtigen Weg zu gehen.

Es gehört zum Grundvertrauen des Glaubens, dass Gott seine Macht nie missbraucht. Beim Menschen kann es vorkommen. Neben aller guten erzieherischen Führung gab es das auch immer, und es wird nie ganz zu vermeiden sein. Aber daran können wir – Alte und Junge - wachsen, wenn es eine ehrliche Gemeinschaft zwischen Kindern, Lehrern und Eltern gibt wie in einer großen solidarischen Familie, die wir für unsere Schule anstreben. Alles kann offen ausgesprochen werden, wenn die Würde jedes Menschen, egal ob alt oder jung gewahrt wird und zusätzlich die Würde „seines Standes“. [Anhang ΙΙ, 1. u. 2.]

Wir alle brauchen die Fähigkeit und die Möglichkeit, offen und ehrlich zu kommunizieren und unsere eigenen Gefühle auszudrücken. Als haltgebende Grundlage dafür benötigen wir das Vertrauen zur „Obrigkeit“: die Erwachsenen zu Gott und den staatlichen Instanzen, die Kinder zu ihren Eltern und Lehrern und - durch diese – ebenfalls zur menschlichen Regierung und zu Gott als himmlischer Regierung. „Horizontales“ Vertrauen zwischen Menschen auf einer familiären, freundschaftlichen oder kollegialen Ebene kann sich so „vertikal“ im Fundament des Lebens verankern, menschlich in der Beziehung unreifer Menschen zu reifen und göttlich in der Beziehung aller Menschen zu Jesus Christus.

Die Gleichmacherei, dass Erwachsene den Kindern nicht mehr zu sagen haben als umgedreht, raubt beiden ihren Rückhalt, die Sicherheit ihrer sozialen Position. Ein Kind kann nur dann unbesorgt spielen, wenn es keine Verantwortung tragen und nicht führen muss. Eltern und Lehrer können nur dann gut erziehen und lehren, wenn sie führen dürfen und sollen.

 Wer zuerst da war, hat Vorrechte; die Jüngeren sollen die Älteren ehren[9]Das ist logisch, weil die Jungen selbst auch einmal alt werden; und es ist als ausgleichende Gerechtigkeit für die zunehmenden Unbequemlichkeiten ein Trost für das Älterwerden. Zugleich haben die Älteren die Aufgabe, den Jüngeren ein Vorbild zu sein und sie zu unterweisen; und die Jüngeren sollen von den Älteren lernen und sich ihnen unterordnen[10].

Auch Emanzipation gehört, richtig verstanden, zur Ordnung Gottes.

Sich zu emanzipieren bedeutet in diesem Sinne nicht, möglichst gleich mit den anderen, sondern möglichst „gleich“ mit den eigenen inneren Besonderheiten, Stärken und Schwächen, zu werden. Emanzipiert sein heißt, so gesehen, dem Plan gerecht zu werden, den Gott für jeden einzelnen von uns vorab entwickelt hat[11]. Jeder muss für sich den Platz in der menschlichen Welt suchen, der diesem Plan und der Stufe seiner Verwirklichung entspricht. Der Platz also, der passt für das eigene Alter, das eigene Temperament und den konkreten Stand der eigenen Persönlichkeitsentwicklung, und zwar in bezug auf das Maß der Entfaltung der von Gott gegebenen Talente und Fähigkeiten. Sich zu emanzipieren kann also genauso bedeuten, einen eher führenden Platz in diesem Leben einzunehmen wie einen eher ausführenden.

Emanzipation in diesem Sinn bedeutet also auch, sich als Mann und Frau so zu entwickeln wie Gott es vorgesehen hat. Nicht das Gleichsein von Mann und Frau ist Emanzipation, sondern sich in der von Gott gegebenen Geschlechtlichkeit anzunehmen und die damit verbundenen Besonderheiten zur Geltung zu bringen – das ist Emanzipation. [Anhang ΙΙ, 3.]  

4.1.2.   Weltliche Unordnung

Die Gegenseite Gottes steht für das ungestaltete Chaos und die Verwirrung.

Menschen halten sich für Götter oder sehen Gegenstände als göttlich an; Männer möchten Frauen sein und umgedreht oder beide ein geschlechtliches Neutrum; Kinder halten sich für das Zentrum und die Anführer in den Familien und Schulen, während sich Eltern und Lehrer bescheiden mit der Randposition begnügen und den Kindern folgen.

Bezeichnend für dieses Chaos ist, dass einerseits so viel von Menschenrechten und Würde gesprochen wird und wir andererseits weiter entfernt davon sind denn je; insbesondere in bezug auf diese Unordnung menschlicher Beziehung, die der Liebe keinen Halt geben kann.

Vor allem die 68ziger Bewegung hat in Deutschland Verwirrung und Unsicherheit für die soziale Position von Erwachsenen und Kindern hervorgebracht. Vielen Eltern wollen jetzt partout Freunde ihrer Kinder sein, ihre besten „Kumpels“. Ihnen fehlt die Sicht, ihre Kinder zu führen und zu erziehen, genauso wie ihnen der Mut fehlt, sich selbst von Gott führen und erziehen zu lassen.

Anstatt dessen sehen viele zuerst auf sich selber. Die wichtigste Frage für sie ist nicht, ob alle liebe- und vertrauensvoll miteinander umgehen, sondern ob „ich etwa zu kurz gekommen sein könnte und ob ich mich auch ja von vornherein auf‚ gleicher Augenhöhe’ mit den anderen befinde“.

Gleichheit als oberster Wert – das macht die Verwirrung auf subtile Weise perfekt, da es unter Menschen oft am effektivsten ist, an die individuelle Eitelkeit und das persönliche Geltungsbedürfnis zu appellieren.  

Wir wollen aber nicht einfach zu alten Zeiten zurückkehren, sondern das Positive der Moderne und Postmoderne, einschließlich der 68ziger Kulturrevolution – z.B. die Fähigkeit, Autoritäten kritisch zu hinterfragen - in den Aufbau auf den immer gültigen Grundlagen und Werten, zu integrieren.

Das kritische Fragen z.B. erfolgt dann allerdings bei aller verbleibenden Klarheit und Direktheit trotzdem mit Respekt und Höflichkeit. 

4.2.    Die August-Hermann-Francke-Schule beabsichtigt Ordnung in
          diese Unordnung zu bringen

Unsere August-Hermann-Francke-Grundschule wird ein gesellschaftliches Terrain, einen Mikrokosmos, einen konkreten Anfang bilden. Sie wird Eltern und Lehrern wieder Rückhalt bieten und damit auch den Schülern gesunde Ordnung, die ihnen Halt gibt für ihre persönliche Entwicklung. Erst dadurch wird es möglich, die nötige Ruhe und Sicherheit in der Schule zu gewährleisten, damit alle Beteiligten ihre Talente und Fähigkeiten entfalten können. Natürlich werden besonders die Kinder davon profitieren, aber auch die Lehrer werden neue Anstöße für ihre Entwicklung erhalten. Die sensiblen, ängstlichen und schüchternen Schüler brauchen zuerst diesen Schutz. Aber auch die lauten und ungestümen Kinder entwickeln sich in ihrer Persönlichkeit langfristig besser, wenn sie lernen müssen, bei ihrer persönlichen Selbstverwirklichung Rücksicht auf die langsameren und stilleren Mitmenschen zu nehmen.

4.2.1.   Wir sagen ja zur Autorität

Wir vertrauen Gott und glauben an die Bereitschaft der von ihm geleiteten Menschen, Fehler in der Gemeinschaft immer wieder zu korrigieren. Deshalb können wir es in der AHFGrundschule wagen, unseren Lehrern und der Schulleitung einen Vorschuss an Vertrauen zu schenken. In unserer Schule wird die Devise gelten: Wo ein Wille ist, ist ein Weg, und wir finden ihn zusammen. Weil wir den Rückhalt durch Gott haben, werden wir immer wieder schnell zu Großmut, Geduld und Gelassenheit  zurückfinden, auch in hektischen Situationen.

Erwachsene, die Verantwortung für Kinder tragen, also insbesondere Eltern, Großeltern, Kindergärtner und Lehrer,  müssen in unserer Welt wieder lernen sich zur anleitenden und führenden Spezifik ihres Lebensplatzes zu bekennen. Dazu brauchen sie vor allem unseren Rückhalt.

Hierarchien sind also nicht falsch und schlimm. Sie gehören zum Wesen des Menschen; sie sollen uns Sicherheit geben.

Auch im Miteinander der Schüler gilt: In dieser Sache ist er/sie die Nummer 1, er/sie die Nummer 2. Wichtig ist nur, dass alle die Chance haben, aufzusteigen und Verantwortung zu übernehmen. Dafür darf es nur ein Kriterium geben: Persönliche Fähigkeiten, nicht zuletzt charakterliche. Und wer einmal sinken muss, für den ist das in unserer offenen Schulwelt auch kein Untergang, er kann wieder steigen, wenn er seine Konsequenzen gezogen und an sich gearbeitet hat.

4.2.2.   Wir können uns Offenheit leisten, weil im Mittelpunkt der Schule nicht eine Summe
             Einzelner steht, sondern die lebendige Beziehung

Menschen vereinzeln sich heute, gerade wenn es darauf ankommt, wie z.B. in Krisensituationen. Letztendlich vertrauen sie nur sich selber. Das ist ein schrecklicher Hochmut aus Angst, zu kurz zu kommen. Deswegen ist es so wichtig, dass unsere Kinder noch weit vor der Pubertät lernen, einer Gemeinschaft zu vertrauen, ihrer Familie, und ebenso auch der Schulgemeinschaft.

Wenn Kinder lernen können, den Fokus ihrer Aufmerksamkeit nicht nur auf das abgeschlossene Eigene, sondern auch auf die Beziehung zu den Menschen zu richten, können sie auch lernen, eine Beziehung zum anderen aufzunehmen.

Gott selbst möchte in eine Beziehung mit uns Menschen treten. Ihn nur als Erfüller persönlicher Bitten und Wünsche zu betrachten, hat mit einer wirklichen Beziehung nichts zu tun. Vielmehr müssen wir lernen seinen Ansprüchen in unserem Leben Raum zu geben. Dann erst entwickelt sich diese Beziehung wechselseitig. Das müssen Familien und Schulen vorleben.

Das Ziel der AHFGrundschule ist die Offenheit und Ehrlichkeit im Verhältnis aller Angehörigen der Schule; der Schüler, der Lehrer und der Eltern. In diesem Sinn lehnen wir jede Geheimnistuerei bei der Kommunikation ab. Gerade dies würde ja die Abgeschlossenheit des individuell Eigenen nur verstärken. Sehr wohl kann die individuelle Vertrautheit helfen, Kinder und Mitarbeiter zu ermutigen sich zu öffnen.

Doch wir müssen immer darauf achten, die Würde des Einzelnen zu wahren. Beispielsweise darf, mit dem Infragestellen einer Leistung oder eines Verhaltens, niemals der Wert der Person insgesamt angezweifelt werden. Das widerspräche vollständig unserem christlichen Weltbild.

4.2.3.   Nicht die Fehler sind das Problem, sondern nicht daraus lernen und lehren zu wollen

Es gehört zu unserer aller Natur, Fehler zu machen. Diese sind nicht das Problem. Das Problem besteht vielmehr darin, sich entweder gar nicht mit ihnen auseinander zu setzen, nicht aus ihnen lernen und lehren zu wollen; oder wir identifizieren den Fehler mit der Gesamtpersönlichkeit und stellen diese dadurch insgesamt in Frage.

An der AHFGrundschule lieben wir den Menschen trotz aller Fehler, aber ein konkretes, sündhaftes Verhalten bekämpfen wir entschieden; zuerst bei uns selbst und dann auch bei den anderen. Dies gehört zum „Beruf" der Eltern und Lehrer. Natürlich gilt der Erziehungsauftrag in erster Linie den Eltern. Insofern sind diese noch vor den Lehrern aufgefordert, mit der Korrektur des kindlichen Fehlverhaltens zu beginnen.

Die erzieherische Offensivposition der Eltern und Lehrer allerdings soll nicht demonstrativ zur Schau gestellt werden. Entscheidend für den Erfolg wird sein, mit den Fehlern angemessen umzugehen:

in partnerschaftlichen und offenen Gesprächen, ebenso wie im Verzeihen und - ab und an - im humorvollen Ignorieren oder Übergehen kindlicher oder jugendlicher Keckheiten.

Aber feinfühlige Zurückhaltung hat nur dann Sinn, wenn sie nicht aus Schwäche geschieht, sondern von einer Position der Stärke aus, Aber feinfühlige Zurückhaltung hat nur dann Sinn, wenn sie nicht aus Schwäche geschieht, sondern von einer Position der Stärke aus, die signalisiert, dass es auch anders ginge. Wenn „die Alten“ grundsätzlich den Mut haben, die Initiative zu ergreifen, klare Erwartungen für die Entwicklung der Jungen vorzugeben, dann können sie von Fall zu Fall auch abwarten und die Jungen ganz ruhig ihre eigenen Erfahrungen sammeln lassen.      

4.2.4.   Gefühle sind verletzlich und brauchen Schutz

Echte und tiefe Gefühle, besonders die der Liebe und des Geliebtwerdens, sind verletzlich und scheu. Sie sind zu wertvoll, als dass sie sich im Alltag ständig sozusagen „nackt“ ausliefern müssen. Gefühle bedürfen des Schutzes durch Umgangsformen, durchaus auch mal auf eine humorvolle Art.

Praktische Umgangsformen einer gemeinten Moral sind sehr wichtig, besonders für Kinder. Denn wem immer nur Liebe gepredigt wird, der lernt nicht Liebe, sondern predigen. In diesem, sozusagen „handwerklich“ erzieherischen Sinne kommt zuerst die Tat und dann das Wort. Aber einem Tun ohne das Verstehen durch das Wort kann es an Liebe fehlen. Also ist das Wort schon sehr wichtig, aber nicht ins Blaue hinein gesagt und gehört, sondern in Verbindung mit wirklich gesammelten praktischen Erfahrungen des eigenen Tuns. [Anhang ΙΙ, 4. u. 5.]

Innere Werte brauchen äußerliche Rituale wie Morgenandachten, Reflexionen am Ende des Tages oder der Woche, gemeinsame Mahlzeiten und Feiern. Das gilt für alle Menschen, aber besonders für ungefestigte, also „von Haus aus“ für junge Menschen.

Rituale und Umgangsformen werden in unserer Schule aber mit Würde und ab und an vielleicht auch mit Spaß gehandhabt werden.

4.2.5.   Gut erzogene Kinder sind gut lernende Kinder

Die Probleme der deutschen Schule haben viel weniger mit komplizierten Lehrplanfragen, fehlenden Computern oder einer „unmodernen“ Didaktik zu tun; sondern vielmehr mit peinlichen Erziehungsdefiziten, über die sich folgende Generationen nur werden wundern können.

Wir wollen nicht mit klugen Reden gegensteuern, sondern mit einem neuen Schulalltag. Wir wollen an der AHFGrundschule zeigen, dass eine christliche Gemeinschaft, in der jeder die Rechte und Pflichten hat, die ihm zustehen, die beste Voraussetzung für eine gute Persönlichkeitsentwicklung aller ist, natürlich vor allem der Kinder. Auf dieser Basis sehen wir die Chance, Bildungsqualität wesentlich zu verbessern.

4.3.    Was bedeutet das konkret für die pädagogische Praxis in unserer Schule?

4.3.1.   Umgangsformen 

  • Die Schüler erheben sich, wenn ein Erwachsener die Klasse betritt. Sie setzen sich erst nach der Aufforderung des Lehrers. Dies kann im wörtlichen Sinn auch für das Stellungnehmen im Unterricht gelten, wenn es der Sicherung seiner Kultur dient, einer Verlangsamung und Vertiefung aufgeregter Kommunikationsprozesse. [Anhang ΙΙ, 6.]
  • Die Schüler grüßen freundlich und zugewandt zuerst die Erwachsenen.
  • Sie sind hilfsbereit und zuvorkommend, wann immer sich die Gelegenheit dazu ergibt
    (z.B. Türen aufhalten, ein Stück heruntergefallene Kreide aufheben, einem gebrechlichen Menschen behilflich zu sein u.ä.)

Sie bieten ihren Platz bei Bedarf erwachsenen und älteren Mitmenschen an. Das setzt sich – zumindest für die Schüler ab der 3. und 4. Klasse – auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln fort. Unsere Schüler, erkennbar durch ihre Schulkleidung, werden bekannt dafür in Leipzig sein: „So aufgeweckte, selbstbewusste Kinder und trotzdem so höflich!“

·         Sie tragen in der Schule, auf dem Hin- und Rückweg und bei feierlichen Anlässen auch außerhalb der Schule eine einheitliche Schulkleidung. Auch das wirkt wie eine Umgangsform, die bei der Herausbildung charakterlicher Tugenden hilft. Das stolze Gefühl, zu einer Gemeinschaft – die der Schule - zu gehören, wird damit gestärkt. Der Eitelkeit, etwas Besonderes und Besseres zu sein als die Mitschüler, wird abgeholfen.  [Anhang ΙΙ,  7.]  

4.3.2.   Erzieherische Ansätze

·         Zetern ohne Strafe ist viel schlechter als eine logische Strafe ohne Zetern. Im Leben sind die Folgen des Fehlers entscheidend, bei Gott und in unserer Schule ist das Motiv des Fehlers entscheidend, unabhängig von seiner Folge. Es gibt Fehler, die aus dem besten Willen und Bemühen heraus geschehen. Ihr Verursacher braucht Trost und keine Strafe. 

Andererseits werden wir mangelndes Bemühen und mangelnden Respekt vor den Interessen und Bedürfnissen der Mitmenschen mit ruhiger Konsequenz bestrafen, bevor sich diese Fehler als Gewohnheit verfestigen können. Das wird dazu führen, dass in der Regel zur Korrektur einfache Ermahnungen reichen. Aber auch die Bestrafung, wenn sie tatsächlich nötig wird, ist kein Grund für pädagogische Aufgeregtheiten und ewiges Gerede mit und ohne Eltern, sondern erfolgt sozusagen „naturgesetzlich“. Strafen in diesem Sinne sind logische Folgen, haben nichts mit Beschämung oder Vorführung zu tun. Sie ermöglichen die schlichte praktische Erfahrung, dass sich Fehler, die aus egoistischen Gründen, insbesondere aus Faulheit und Eigennutz geschahen, nicht lohnen, weil sie ohnehin sofort korrigiert werden. Zum Beispiel, was nicht erledigt wurde, muss in verlängerter Form erst recht gemacht werden.

Sollte ein Schüler trotz erfolgter Ermahnungen und logischer Konsequenzen nicht in der Lage sein, seinen Fehler einzusehen und sein Benehmen zu ändern, erhält er nach unserem Prinzip "Erziehung ist die Grundlage jeder Bildung" spezielle Hilfen. Somit verhindern wir von vornherein, dass wenige Schüler dauerhaft das Klima in der gesamten Klasse beeinträchtigen können. [Anhang ΙΙ, 8.]

Ganz anders ist die Sachlage, wenn ein Schüler trotz Bemühens etwas nicht verstanden hat. Dann wird ihm mit Geduld geholfen, ohne dass er mehr zu machen hat, als unbedingt nötig ist. Dabei unterstützen sich die Schüler auch gegenseitig.

4.3.3.   Fördern durch Fordern

·         Leistung widerspricht nicht der Menschlichkeit, sondern christlich fundierte Menschlichkeit bringt Leistung erst voll zur Geltung. Diese verpflichtet dann zum Dienst gegenüber den Schwächeren.
Leistungskontrollen werden daher regelmäßig stattfinden. Wir fürchten uns dabei auch nicht vor Rangreihen. Es ist absolut keine Schande, schlecht zu sein, wenn sich Schüler bemüht haben. Doch alle sollen ihre Stärken und Schwächen kennen, damit sie stolz und selbstbewusst sein können, auch hinsichtlich ihrer Schwächen.
Mit den Ergebnissen der Leistungskontrollen wird offen umgegangen. Unsere Gemeinschaft wird sich diese Offenheit leisten können, weil auf christlicher Grundlage der gegenseitige Respekt und das gegenseitige Wohlwollen ihre obersten Prinzipien sind. Andererseits stärken sich diese ethischen Lebensprinzipien nur, wenn sie praktisch angefragt und gefordert sind. Ihre lebenspraktische Basis erhalten hohe moralische Werte immer nur im aktiven Durchleben und Lösen von Krisen und Konflikten. Deshalb ist es uns wichtig, dass sich die Schüler gegenseitig unterstützen lernen.

·         Das aktive Selbsttun, das eigene Produzieren kommt vor dem Konsumieren:
Erst die Leistung und dann der Spaß, wobei etwas, das gemeinsam geschaffen wird, auch schon zwischendurch Spaß macht. Aber auch, wenn dies zwangsläufig und natürlicherweise ab und zu nicht so sein sollte, gilt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Das ist eine ganz wichtige Tugend für das Leben, insbesondere für den Schulerfolg.  

      Daher wird es an der AHFGrundschule auch einen Schulgarten geben. Dieser wird

      schrittweise ausgebaut, so dass er zukünftig in der Schulernährung eine Rolle spielen kann.

Die Kinder werden ihr Frühstück in der Schule selbst zubereiten – was auch eine große Entlastung für die Eltern ist. Oft essen die Kinder ja das nicht, was sie ihnen liebevoll in die Brotbüchse getan haben. 

Durch solche praktischen Erfahrungen lernen Kinder frühzeitig, bevor sich eine falsche Einstellung verfestigt hat, die für das Leben so wichtigen Sekundartugenden, wie Aufmerksamkeit, Ausdauer, Pflichtbewusstsein und Geduld. Nicht die Lust steht im Mittelpunkt des Lebens, sondern das, was für menschliches Miteinander nötig ist. 

  • Insgesamt gilt der Grundsatz: Viele Hände machen der Arbeit schnell ein Ende.

Ihn in die Praxis umzusetzen und im Alltag Wirklichkeit werden zu lassen, ist entscheidend für das stetige Wachstum des Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühls in unserer Schule. Es handelt sich dabei auch um einen ganz wichtigen erzieherischen – professionell pädagogischen – Vorlauf für die erfolgreiche Gestaltung des Lebens in der Familie. Die Eltern brauchen diese Gedanken nur aufzugreifen und im Familienalltag fortzusetzen. Eltern sind ihren Kindern zuweilen zu nah, zu emotional mit ihnen verbunden, als dass sie ganz praktische, hilfreiche Formen der Einbeziehung ihrer Kinder in die Erledigung notwendiger Arbeiten in Betracht ziehen können.

So kann sich die Erziehung im Elternhaus und die in der Schule gegenseitig „in Schwung bringen“. Die Eltern werden bald feststellen: Das, was ihnen ihr Leben zu Hause tatsächlich praktisch erleichtert, ist zugleich erzieherisch gut.  [Anhang ΙΙ, 9.]

4.4.    Gedanken zum Unterricht

·         Wir sind weit davon entfernt, einzelne unterrichtliche Formen, die gerade modern sind, zu verabsolutieren, wie das viele alternative freie Schulen tun. Bei uns hat der lehrerzentrierte Frontalunterricht ebenso seinen Platz wie schülerorientierte Frei- und Projektarbeit. Guter Unterricht pulsiert wie das ganze Leben auch in einem ständigen Rhythmus. Seine konzentriert-strengen Seiten gehören genauso dazu wie die spielerisch-lockeren. Ebenso verhält es sich mit dem Pendeln oder Schwingen zwischen fremd- und selbstbestimmten Phasen des Lernens oder auch zwischen aufnehmenden und anwendenden.

Entscheidend ist einzig und allein, den Takt dieses Rhythmusses alters- und personengemäß zu finden. Das ist ein ständiger Prozess. Für die psychische Gesundheit sowohl von Lehrern wie von Schülern ist es ganz wichtig, ein ruhiges Nacheinander der Arbeit zu gewährleisten und deutlich und klar zwischen Arbeits- und Freizeit zu unterscheiden.  [Anhang ΙΙ, 10.]

·         Wir stellen uns z.B. 5 – 10-minütige „Vorlesungen“ – je nach Klassenstufe (2– 4) oder Situation - für Gruppen von 50 Schülern  vor (in den Siegerländern internationaler Leistungsvergleiche Japan und Südkorea übliche Klassengröße), wo absolute Aufmerksamkeit zu herrschen hat, wo genau zugehört und geistig gefolgt werden muss. Nach der frontalen, komprimierten Darbietung wird das Vermittelte dann ohne Zeitdruck in Kleingruppen von je 10 Schülern auf individuelle und lockere Weise entfaltet und angewendet. Die Schüler werden das schätzen lernen, weil sie genau wissen, dass bald wieder eine Phase der konzentrierten Anspannung kommen wird, die sie um so besser bewältigen können, je besser sie gelernt haben, ihre Freiheit effektiv zu nutzen. Und sie werden die Konzentrationsphasen gut meistern, weil sie wissen, dass sie nur kurz sind und ihnen die Substanz für eine zwar spielerisch-lockere aber – schließlich dann doch noch - qualitativ hochwertige Entfaltung, Erprobung und Entdeckung liefern.

 

·         Zu diesem Rhythmus gehört elementar die „Interpunktion“ des Zeitverlaufs:
z.B. Aufstehen zum Begrüßen und Verabschieden bei Stundenbeginn und Stundenende. Dazu dient auch der Morgenkreis, wo jeder einmal mit dem Reden dran ist und die Anderen zuhören.

·         Neben dem Morgenkreis zu Beginn des Tages wird es auch Zeit für rückbesinnenden Dank geben; für das, was geschehen ist an Gutem und Schlechten, also eine Erinnerung an die Erfolge und Misserfolge, Stärken und Schwächen, Annehmlichkeiten und Unannehmlichkeiten. Wir werden erproben, ob solche Reflexionen besser am Ende jedes Unterrichtstages oder am Ende jeder Schulwoche erfolgen sollten.
Das ehrliche Erinnern ist verpflichtend, aber nicht die Form. Jeder Schüler kann sich frei entscheiden, ob er z.B. die Gebetsform wählt oder nicht. Wahrscheinlich werden einzelne Schüler, die bisher noch nicht damit „dran waren“, dies freiwillig täglich tun, während es obligatorisch für alle bis zum Ende der Woche sein wird. Auf jeden Fall wird es den Kindern helfen, über ihre eigenen Gefühle zu sprechen und sie für ihre Mitmenschen zu sensibilisieren. Besonders für die Jungen ist das sehr wichtig.

·         Zu diesem Rhythmus gehört auch die Integration von Bewegung und Musik in den Unterricht. Es wird nicht nur in den Pausen, sondern auch im regulären Unterricht immer wieder Phasen körperlicher Aktivitäten geben. Jeder bewegt sich auf seine Art, aber er bewegt sich, zu Trommeln, zu anderer Musik oder auch ohne Musik.
Große Übergangsverluste entfallen, weil das rhythmische Pendeln zwischen geistigen und körperlichen Aktivitäten von der allgemeinen Disziplin in der Schule profitiert. Langwierige Diskussionen bleiben dadurch aus.
Denkbar wäre z.B. auch ein Kletterparkour in der Schule oder ein Fitnessraum, in dem sich Schüler zunächst körperlich abreagieren können, bevor sie versuchen, geistig in sich zu gehen.

·         Im Unterricht unserer Schule organisieren wir so viele praktische Erfahrungen aus erster Hand wie möglich. Das Arbeiten im Schulgarten beispielsweise sehen wir als genauso wichtig an wie die Theorie. Denn selbst eine perfekte Präsentation kann nie die Primärerfahrung ersetzen.

4.5.    Schlussbemerkungen

Wir sind also nicht einfach nur konservativ bei der Erziehung, sondern auf dieser Grundlage genauso progressiv; wir treten für die Anwendung und das Erproben von neuen Unterrichtsformen ein wie das selbständige und schöpferische Lernen in kleinen Gruppen, Freiarbeit und Projektlernen. Genau genommen ist die schöpferische didaktische Weiterentwicklung überhaupt nur auf der Grundlage wertkonservativer pädagogischer Sicherheit im Kernbereich menschlicher Beziehung möglich. In diesem Sinn werden wir daran arbeiten, Schüler und Eltern zu überzeugen, dass das A und O allen Lernens in der Schule der gegenseitige Respekt und die gegenseitige Achtung ist.

Die Ordnung ist also nicht um ihrer selbst willen da, sondern für uns Menschen. Aus diesem Grund werden alle Mitglieder der großen Schulfamilie und des Trägervereins darauf zu achten haben, dass sich Ordnungsprinzipien und Regeln nicht verselbständigen. Sie dienen der persönlichen Beziehung zum Mitmenschen und zu Gott.

In solch einer Atmosphäre des Vertrauens und der Sicherheit wird die AHFGrundschule zu einer echten Lern- und Lebensstätte.

Diese Konzeption entwickelt sich während ihrer Umsetzung im Dialog aller Beteiligten. Es wird immer möglich sein, neue Gedanken zu diskutieren oder die hier vorgestellten an der einen oder anderen Stelle zu verändern.  

Aber erst einmal braucht es Klarheit – eine Grundlage zum Anfangen.

5. Wesentliche Merkmale der AHFGrundschule

5.1.   Einbeziehung der Eltern

Eine ganz wichtige Säule unserer Arbeit ist die Einbeziehung der Eltern, da sie die Hauptverantwortung in der Erziehung tragen. Deshalb legen wir  großen Wert auf eine gemeinsame Erziehung in Elternhaus und Schule.

Die Eltern sind immer in der Schule willkommen, selbstverständlich im Rahmen der Schulzeit und nach Absprache mit den Lehrern und der Schulleitung.

Eltern und Lehrer werden sich gegenseitig respektieren. Erstere akzeptieren die Lehrer als die pädagogischen Fachleute und letztere die Eltern als die Experten für ihre Kinder.

Möglichkeiten der Elternmitarbeit bestehen:

-   im Mitwirken bei Arbeitsgemeinschaften

-   im Einbringen von Verbesserungsvorschlägen

-   in der Mitarbeit im Elternrat und den verschiedenen Arbeitsprojekten der Schule

Der Einsatz der Elternarbeit wird durch die Verantwortlichen der Schule koordiniert.

Unser Wunsch ist es, durch Seminare und Workshops ein Weiterbildungsprogramm für Eltern anzubieten, welches sich mit den aktuellen Themen der Erziehung und des Lebens beschäftigt.

5.2.   Hort - Offenes Ganztagsangebot

An der AHFGrundschule werden wir Ganztagsbetreuung bis mindestens 16 Uhr anbieten.

Die Hausaufgaben können mit Unterstützung geeigneter Erwachsener in der Schule vollständig erledigt werden, soweit dies der Wunsch der Eltern ist und dem Lernstil des Kindes entspricht.

Die Lehrer halten sich in der Regel bis 16 Uhr in der Schule auf, außer an ihrem wöchentlichen Studientag, so dass sie für Rückfragen von Schülern und Eltern zur Verfügung stehen.

Die Kinder können nach ihrer Begabung aus Angeboten, wie Sport und Musik, auswählen. Die Gestaltung solcher AG's richtet sich nach den Möglichkeiten und der Nachfrage.

Bei der Betreuung sind wir auf die praktische Mithilfe der Eltern und Großeltern bei den verschiedenen Aktivitäten angewiesen.

Alle Eltern und Lehrer, sowie Mitglieder des Freundeskreises können und sollen sich nach ihren persönlichen Stärken und Fähigkeiten in die Gestaltung des Schullebens einbringen.

5.3.   Lehrer

Die Lehrer an der AHFSchule sind vom Staat anerkannte, ausgebildete Pädagogen mit einer Qualifikation in der entsprechenden Schulstufe. Ausnahmen sind in begründeten Fällen möglich. Ganz wichtig ist es, dass sie Christen sind, die sich im Sinne der Zielstellung dieser Schule engagieren. Sie sollen eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus als ihrem Herrn und Heiland haben und einer bibeltreuen Gemeinde zugehörig sein.

Zur Vorbereitung auf die besonderen Anforderungen an der AHFSchule werden wir unsere Lehrer zu Beginn ihrer Tätigkeit schulen und betreuen.

Um zu gewährleisten, dass die inhaltlichen Schwerpunkte unserer Konzeption den Schulalltag auch tatsächlich durchdringen und prägen, werden wir jede Lehrkraft in ihrem Arbeitsprozess individuell begleiten.

Überhaupt legen wir großen Wert auf Weiterbildung, auf kollegiale Supervision und das Sammeln von Erfahrungen in anderen Schulen und pädagogischen Einrichtungen. Deshalb werden wir unseren Lehrern Zeit zur Verfügung stellen, neben den internen Fortbildungen das breite Angebot verschiedener Veranstalter zur Weiterentwicklung pädagogischer Fähigkeiten wahrzunehmen. Die folgenden Punkte sollen als Beispiele genannt werden:

-     Zusammenarbeit mit örtlichen und regionalen Fortbildungsträgern

-    Hospitation und Erfahrungsaustausch mit Lehrern und Erziehern Evangelischer 

      Bekenntnisschulen sowie intensiver Kontakt mit Partnerschulen

-    Teilnahme an Seminaren und Tagungen über christliche Erziehung und Weltanschauung

     (z.B. VEBS, EurECA)

Die geistliche Betreuung der Lehrer soll ein wichtiger Bestandteil unserer Schule werden.

Die Anforderung an unsere Lehrer sind sehr hoch, Fehler werden sich nicht vermeiden lassen.

Doch sie sollen wissen, dass sie in ihrer Aufgabe nicht alleine dastehen und vom Schulverein getragen werden. Ein Mentoring ist angestrebt.

Die Einheit in einem stabilen Lehrerkollegium sowie die innere Stärkung und die geistliche Ausrichtung jedes einzelnen Mitarbeiters entsteht durch Gebet und Gemeinschaft. Deshalb ist uns die tägliche, gemeinsame Andacht vor Schulbeginn wichtig; ebenso auch Zeiten nach dem Unterricht, wo Lehrer sich über ihre Erfahrungen im Unterricht austauschen und sich gegenseitig ermutigen können.

5.4.   Die  unabhängige Position der AHFSchule

Die AHFSchule ist frei, also nicht an eine bestimmte Kirche, Freikirche oder einer gesellschaftlichen Gruppierung gebunden. Das bedeutet, Mitglieder des Schulvereins und Mitarbeiter gehören unterschiedlichen Kirchen und Freikirchen an; sie vertreten die Hauptaussagen einer konservativen Theologie, jedoch keine Sonderlehren einzelner Denominationen.  [Anhang I, 2]

5.5.   Schulorganisatorische Rahmenbedingungen

Die AHFGrundschule geht als genehmigte Ersatzschule in Betrieb, mit dem Ziel der staatlichen Anerkennung. Die konkrete rechtliche Basis auf Landesebene bildet das im Freistaat Sachsen erlassene „Gesetz über Schulen in freier Trägerschaft“ vom 4. Februar 1992 sowie die dazu erschienenen Verwaltungsvorschriften.

Hinsichtlich des Bildungsangebotes, des Bildungsumfanges und der fachlichen Ziele orientieren wir uns grundsätzlich an dem sächsischen Lehrplan. Wochenstundenzahl und die Zeitrichtwerte der einzelnen Lernbereiche werden eingehalten. Somit sollte es für unsere Schüler keine Schwierigkeiten geben, wenn sie von der AHFGrundschule in eine andere Schule überwechseln.
Zunächst soll ab dem Schuljahr 2008/2009 eine Klasse 1 eingerichtet werden. Jedes Jahr kommt eine weitere Klasse dazu. Bei Bedarf, eventuell schon ab dem zweiten Jahr, wird die Grundschule zweizügig weiter geführt. Nach vier Jahren, wenn die Grundschule die Jahrgangsstufe vier erreicht hat, möchten wir mit der AHFMittelschule beginnen.

Anhang I

1. zur Pädagogik A-H-Francke`s:

Die Pädagogik Franckes ist durch folgende Ziele geprägt:

*           Die Aufgabe der biblisch-christlichen Erziehung ist, die Kinder zur grundsätzlichen Orientierung auf Gott hin anzuleiten.

*           Alles Lehren und Lernen ist grundsätzlich an dem Maßstab des unfehlbaren Wortes Gottes auszurichten.

*          Der Mensch soll die ihm von Gott geschenkte Begabung erkennen und entwickeln; und er soll
           befähigt werden, diese zum bestmöglichen Dienst am Mitmenschen einzusetzen.

In seinen Methoden und der Organisation des Unterrichts war er seiner Zeit voraus. Seine Ideen zur Schulkonzeption finden sich zum Teil auch in den heute bekannten Richtlinien wieder:

*           Die Schüler sollen entsprechend ihren Begabungen und Leistungen zwischen verschiedenen Kursen mit unterschiedlichen Inhalten und Ansprüchen  wählen können.

*           Ausgehend von ihrem Tätigkeitsdrang fordert Francke, dass Kinder stets etwas Nützliches tun, spielend lernen, zu Kreativität angehalten werden und einen gesunden Wechsel von Arbeit und Erholung erleben sollen.

*           Schulausbildung und die spätere berufliche Tätigkeit der Schüler sollen zueinander in Beziehung gesetzt werden.

*           Von großer Wichtigkeit war für Francke die Anschauung des Unterrichts. Zu diesem Zweck errichtete er eine Naturalienkammer, ein astronomisches Observatorium, eine mechanische Werkstatt, einen Botanischen Garten und organisierte regelmäßige Besuche der Schüler bei Handwerkern der Stadt Halle. So konnten sich die Schüler bereits während ihrer Schulzeit konkrete Vorstellungen über ihr zukünftiges Berufsleben machen.

*           Der Vorbildfunktion des gläubigen Erziehers, dessen Leben und Denken und Handeln auf Gott ausgerichtet sein müssen, kommt eine große Bedeutung zu. Zwischen Lehrer und Schüler muss ein gutes Vertrauensverhältnis bestehen, damit die Kinder bereit sind, pädagogische Maßnahmen des Lehrers einzusehen und zu akzeptieren

Wegen diesen wunderbaren Grundlagen, die Francke legte, folgen heute noch viele christliche Schulen dem Vorbild Franckes.

2. zu Sonderlehren:

Sonderlehren der verschiedenen Kirchen und Gemeinden stehen wertungslos nebeneinander. Zum Beispiel werden wir keine der verschiedenen Taufformen hervorheben oder abwerten, wir werden die Glossalie weder verurteilen noch betonen, auch werden keine besonderen Gebote hinsichtlich Kleidung und Bräuchen einer bestimmten Gemeinderichtung übernommen oder abgelehnt.

Anhang II
(weiterführende Denkansätze)

1. Die „Standesgesellschaft“ kann, mit den Augen von Jesus gesehen, eine große Hilfe sein für das Wachsen der Seelen. Im menschlichen Miteinander gibt es soziale Positionen, die Sicherheit und Rückhalt geben, z.B. die der Eltern oder Lehrer im Verhältnis zu den sozialen Orten von Kindern und Schülern. Erst vom Halt solcher Positionen aus ist es gut möglich, sich zu öffnen und lebendige Beziehungen zum Partner aufzunehmen; ähnlich wie auch nur die Brücke weit tragen kann, die in ihren Pfeilern fest verankert ist. Das gilt auch für die Menschenposition im Verhältnis zu der Gottes. Das Problem ist nicht sie, sondern die Lieblosigkeit der Interaktion von Stand zu Stand. Gott gibt der Liebe dadurch sogar besondere Bewährungs- und Wachstumschancen, indem er die Welt so gliedert. „Lasset die Kindlein zu mir kommen“, ja als Kinder und nicht als Erwachsene.

2. Lehrern in den staatlichen Schulen der Gegenwart fehlt oft die Sicherheit, sowohl – zumeist – in bezug auf ihren Glauben als auch in bezug auf ihren sozialen Stand. Sie sind als Gleiche unter Gleichen gänzlich ausgeliefert dem freien Spiel der Kräfte. Sie sollen allein mit persönlicher Ausstrahlungskraft und besonderen didaktischen Attraktionen gewinnen, mit ewiger pädagogischer Verliebtheit. Das hält kein Mensch aus, er muss ausbrennen zum Schaden der Kinder, für die es so gesehen ein absoluter Scheinsieg ist, gleichberechtigte Partner ihrer Lehrer zu sein.

Ein 10jähriger Junge z.B. kann von seinem Lehrer freundlich-wütend „Frechdachs“ genannt werden. Die Würde des sozialen Platzes zu bewahren heißt, dass umgedreht diese Bezeichnung zu einem Lehrer von Seiten des Schülers unmöglich ist, selbst dann, wenn sie objektiv in einer bestimmten Situation zutreffen würde. Nicht einmal irgendein Erwachsener, der gar keine Verantwortung für dieses Kind trägt, dürfte von diesem so bezeichnet oder von ihm geduzt werden, obwohl das umgedreht so seine Ordnung hat. Diese Ungleichheit oder dieses Gefälle ist eine für die Erziehung sehr hilfreiche Gliederung der Welt. Sie macht Erziehung sozusagen (lebens)stromabwärts möglich. Es muss nicht um jede einzelne Entscheidung immer wieder neu gerungen werden, sondern bei Eltern und Lehrern oder offenkundigen Autoritätspersonen (Polizei, Feuerwehr u.ä.) kann zuweilen einfach gelten: Du machst das, weil ich es sage. Erziehung wäre sonst viel zu aufwändig und anstrengend, eben gerade so, wie wir es heute oft erleben.

3. Der menschliche Stolz auf die eigene Unabhängigkeit und Kraft, der hohe Mut, selbst alles tun zu können, was für das eigene Glück erforderlich ist, trennte die Menschen schon seit Alters her von Gott. Der Individualismus der Gegenwart, vor allem in den hoch entwickelten Industrieländern dieser Welt, macht uns diese Trennung mehr denn je bewusst.

„Emanzipation“ ist ein Zauberwort unserer egozentrierten Zeit geworden. Jeder sieht zuerst auf sich selbst.

Ordnung überhaupt, erst recht aber hierarchische, soziale Ordnungen sind in Verruf geraten. Menschen wollen sich freiwillig ohne klar zu erwartende Gegenleistung weder Gott unterordnen noch anderen Menschen. Ihr höchstes Ziel ist nicht (mehr) die Liebe, sondern die Gleichberechtigung. Gleichberechtigung ist der höchste Wert der westlichen Welt geworden; es soll alles gleich gültig sein. Das gilt durchaus auch in der zweiten, zeitlichen Bedeutung des Wortes „gleich“. Wobei dann Gleich berechtigt zu sein bedeutet: Nicht warten zu können und zu wollen, sondern alles gleich haben zu müssen, z.B. das Recht, als Kind genauso viel bestimmen zu dürfen wie die Eltern und Lehrer.

4. Entwicklungspsychologisch heißt dieser Gedanke nach Piaget, Wygotski und Kohlberg:

Eine innere Charaktereigenschaft muss erst unzählige Male in äußeren, praktischen Handlungen zwischen Menschen entfaltet gewesen sein, bevor sich ihre innere Substanz als Gewissheit, Lebenseinstellung oder Überzeugung niederschlagen kann. Z.B.: Ich kann mich nur selbst lieben, mir nur selbst vertrauen, wenn für mich wichtige Menschen, zuerst die Eltern und Lehrer, mich geliebt haben; und zwar nicht abstrakt nur mit Worten aus zwei Metern Abstand, sondern praktisch, indem sie mich zu sich genommen, gehalten und gedrückt haben. Das gleiche gilt für praktische Formen des Vertrauens, aber auch für die Kontrolle und Beherrschung.
Die Emanzipationspädagogik will dies nicht wahrhaben: Ich kann mich nur mit Erfolg selbst kontrollieren und beherrschen – beides gehört zu den höchsten und schwierigsten charakterlichen

Tugenden -, wenn das zunächst und praktisch unzählige Male meine Eltern und Lehrer mit mir taten; am besten im Rahmen gewohnter Umgangsformen, damit subjektiver Willkür von vornherein vorgebaut ist.

5. Kultur und Umgangsformen machen das Leben angenehm, so wie ein gutes Essen noch viel erfreulicher wird, wenn es mit Messer und Gabel, Kerzenlicht, geschliffenen Gläsern usw. genossen wird. Wenn die Form zum Inhalt passt – sich wohlgesonnen und optimistisch zu sein, freundlich miteinander umzugehen -, hilft sie der Ehrlichkeit und Natürlichkeit. Das ist wie mit dem Verhältnis von Gefühlen und sprachlichen Ausdrucksformen. Wenn ich die richtigen Worte für ein Gefühl finden kann, gewinne ich erst einmal Zeit, bin ich weniger gefährdet, spontan Dummheiten zu tun, das heißt direkt vom Gefühl zur Tat zu schreiten. Dadurch können Kinder sozusagen ganz nebenbei und nicht nur im Unterricht die Tugenden lernen, die auch für ihr Lernen, für ihren geistigen Fortschritt entscheidend sind: Aufmerksamkeit, Ausdauer, Geduld, Pflichterfüllung; unabhängig von Lust oder Unlust dazu.

6. Aber erstens steht es den Lehrern frei, immer wieder Ausnahmen zuzulassen; zweitens ist das ernste Stellungnehmen sowieso nur in der konzentriert-strengen Phase des Unterrichts angebracht. Der Rhythmusgedanke ist für uns insgesamt entscheidend. Und drittens: Wir wollen kein hektisches Aufspringen mit „den Händen an der Hosennaht“, sondern ein würdevolles, gelassenes Erheben, wie es stolzen und selbstbewussten Menschen zukommt.

7. Angedacht sind von der Grundart gleiche Oberteile (z.B. Hemden, Poloshirts, oder Sweatshirts), für die Jungen blaue Jeanshosen, im Sommer auch kurze; für die Mädchen ebenfalls blaue Jeanshosen oder Röcke. Die Oberteile sollen von der Grundart zwar gleich sein, können aber unterschiedliche Gestaltungsvarianten aufweisen. Auf ihnen ist ebenso wie vielleicht später auf den Jacken das Logo der Schule angebracht. Das Schullogo bewährter Schüler wird dementsprechend zusätzlich gestaltet. Auch dies ist eine Maßnahme, die den Stolz, Schüler dieser Schule zu sein, erhöht und damit auch die Verbundenheit mit ihr.

Pädagogik ist die Kunst, von der Menschennatur wie sie ist auszugehen, um ein Kind hin zu Kultur, Mitmenschlichkeit und Beziehungsfähigkeit, erziehen zu können. In der AHFGrundschule liegt der Schwerpunkt stark auf der christlichen Dimension der Beziehungsfähigkeit. Die Menschennatur ist in einer primären Ebene durch das Geltungsbedürfnis gekennzeichnet, das desto unvermittelter hervortritt, je jünger Menschen sind. Wir sehen in solchen Formen eine Möglichkeit, ihm ganz offen und offiziell Ausdruck zu verleihen. Desto weniger sind Kinder gefährdet, es auf eine illegale, gemeinschaftsschädigende Weise verwirklichen zu wollen, wie das in Jugendgangs der Gegenwart zunehmend der Fall ist.

8. Vorstellbar für die Zukunft wäre beispielsweise:

Ein dafür ausgebildeter Pädagoge ist immer in Bereitschaft für den Fall, dass Schüler trotz Ermahnungen nicht in der Lage sind, ihre persönlichen Interessen und Bedürfnisse den aktuellen Forderungen des Lehrers unterzuordnen. Dort werden sie den Bezug zwischen ihrem Verhalten und den – wenigen – Regeln des Verhaltens im Unterricht und in der Schule (z.B. „Ich gehorche meinen Lehrern. Ich bemühe mich immer um einen respektvollen höflichen Ton, wenn ich Fragen, Einwände und Wünsche ihnen gegenüber vorbringe.“) herstellen. Sie werden dort befähigt, zuerst über ihre eigenen inneren Anteile nachzudenken, warum sie in dieser Situation nicht in der Lage waren, einer Regel zu entsprechen. Danach dürfen und sollen sie dann auch das Verhalten anderer Beteiligter, einschließlich des Lehrers, kritisieren. Sie erstellen mit Hilfe des Korrektors einen Plan, wie sie Fehler dieser Art in Zukunft vermeiden können. Den versäumten Unterrichtsstoff müssen sie nachholen.   

 

9. Alle pädagogisch gut gemeinten Selbsttätigkeiten der Kinder, dass Kleine z.B. abwaschen, dies aber als Spaßbad nur so lange veranstalten, wie sie am Planschen Lust haben, schaden in der Regel mehr als sie nutzen. Kinder wollen ernst genommen werden; und wenn sie helfen sollen und wollen, dann müssen sie lernen, dies so und so lange zu tun, bis es praktisch wirklich etwas nützt. Sonst ist dies ein weiterer Beitrag zur allgemeinen „Vermatschung“ unseres Lebens: Fernsehen und reden, Zeitung lesen und diskutieren, drei Gespräche zugleich unter fünf Menschen zu führen. Ebenso müssen wir uns entscheiden: Ist das, was du tust, ein Stück verbindlicher Arbeit, mit deren Ergebnis deine Mitmenschen rechnen können oder ist es ein unverbindliches Spielen von Arbeit, was ja auch seinen Raum und seine Zeit haben soll. Es liegt in der Verantwortung der Eltern, ihren Kindern schon vor der Grundschule beizubringen, das unterscheiden zu lernen.

10. Spaß und Lust an freier Arbeit bleiben viel länger erhalten, wenn die Mühen „unfreier“, straff durch den Lehrer gesteuerter Arbeit bekannt sind und es bleiben. Nur so lässt sich freie Arbeit auch gut lernen, erhält sie ein stabilisierendes „Gerippe“, auf das sich in Phasen geistiger Not (Unlust und Demotivierung) immer wieder zurückgreifen lässt.

Die kindliche spontane Wildheit soll nicht verschwinden und durch angepasstes Duckmäusertum ersetzt werden. Aber kultiviert werden, das muss sie, gerade damit sie an bestimmten Stellen wieder ganz ursprünglich wild werden kann. Wir wollen Kindern keineswegs den gesunden, natürlichen Appetit am Essen nehmen, und trotzdem müssen sie lernen, mit Messer und Gabel zu speisen und zu warten bis der Tisch gedeckt ist.

 

 

 


[1]              5. Mose 6, 4-9

[2]              Epheser 6:4

[3]              Edlin, J. R. (1998). The cause of christian education. Northport, AL: Vision Press

[4]              Riesen, R. A. (2002). Piety and philosophy: A primer for christian schools. Phoenix, AZ: ACW Press

[5]              1. Korinther 14:33

[6]           5. Mose 6:5

[7]           Epheser 6:1-4, Kolosser 3:19-21

[8]           z.B. Titus 1:5, 1.Petrus 5, 1-6

[9]              3. Mose 19:32

[10]          Titus 1:5-9, 2:2-5, 1. Petrus 5:1-7

[11]          Psalm 139